In diesem Beitrag wird ein Glossar (Abkürzungsverzeichnis) angelegt, in welchem unserer Definitionen von gewissen Begriffen erläutert werden. Die Erklärung sind hier oberflächlich gehalten, werden aber immer mit Quellen hinterlegt, so dass, falls weiteres Interesse besteht, nachgelesen werden kann woher wir unsere Defintionen bekommen, teilweise werden auch länger Beiträge unserer Seits referriert, in welchen wir genauer auf gewisse Begrifflichkeiten eingehen.
Sozialismus und Kapitalismus
Um den Sozialismus klar zu charakterisieren, ist es sinnvoll, zunächst den Kapitalismus zu verstehen – jenes System, das der Sozialismus historisch und praktisch ablösen soll. Da es bereits zahlreiche theoretische Werke gibt, die den Kapitalismus ausführlich analysieren, beschränken wir uns hier auf eine prägnante, aber faktenbasierte Darstellung. Für eine vertiefte Analyse verweisen wir auf die erste Ausgabe des theoretischen Organs der Kommunistischen Partei, „Klassenkampf & Wissenschaft No. 1/2024“.
Der Kapitalismus ist ein System, in dem die Produktionsmittel – also Fabriken, Maschinen, Rohstoffe, Boden – im Privateigentum einer kleinen Klasse von Kapitalisten sind. Diese Klasse lebt davon, dass sie sich den Mehrwert aneignet, den die Arbeiter durch ihre Arbeit erzeugen. Die große Mehrheit der Menschen, die Arbeiterklasse, besitzt keine Produktionsmittel und ist daher gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um zu überleben.
Diese grundlegende Eigentumsstruktur führt unweigerlich zu einem Klassenwiderspruch zwischen Kapitalisten und Arbeitern. Denn jeder Lohn, den ein Arbeiter erhält, ist ein Abzug vom Profit des Kapitalisten – jede Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterklasse widerspricht dem Interesse des Kapitals an maximaler Ausbeutung. Je weniger Lohn gezahlt wird, desto höher ist der Gewinn des Unternehmers.
Die Herrschaft des Kapitals über die Produktion und damit über die materiellen Lebensgrundlagen der Gesellschaft bringt zahlreiche systemische Probleme mit sich:
Zerstörung der Umwelt, weil ökologische Rücksichtnahme mit dem Zwang zur Profitmaximierung kollidiert.
Imperialismus: die systematische Ausbeutung von Ländern, insbesondere im globalen Süden, durch den Export von Kapital und Kontrolle über Ressourcen, Märkte und Arbeitskräfte.
Spaltung der Arbeiterklasse, die durch Rassismus, Nationalismus oder Geschlechterrollen gegeneinander aufgebracht wird, um sie von ihrer gemeinsamen Klasseninteressen abzulenken.
Diese Probleme sind kein „Auswuchs“ des Kapitalismus, sondern entspringen direkt seiner Struktur.
Als Alternative zum Kapitalismus steht der Sozialismus – eine Gesellschaftsform, die sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht am Profit orientiert. Im Sozialismus befinden sich die Produktionsmittel nicht mehr in privater Hand, sondern im gesellschaftlichen Eigentum. Das bedeutet: keine Kapitalistenklasse mehr, kein Zwang zur Lohnarbeit, keine Produktion für den Markt.
Stattdessen herrschen Planung, Demokratie und Vernunft: Was produziert wird, wie viel und in welcher Weise, richtet sich nach einem zentralen Plan, der die Bedürfnisse der Menschen zur Grundlage hat. Entscheidungen über Wirtschaft und Gesellschaft werden demokratisch getroffen – nicht durch Kapitalinteressen, sondern durch die organisierte Arbeiterklasse selbst.
Es ist entscheidend zu verstehen, dass Sozialismus ohne Planwirtschaft nicht denkbar ist. Die Marktlogik – also das Prinzip von Angebot, Nachfrage und Profit – muss weitgehend überwunden werden, da sie mit dem Ziel einer bedarfsgerechten, solidarischen Gesellschaft unvereinbar ist.
Produktionsmittel, Bourgeoisie und Proletariat
Produktionsmittel sind alle materiellen Voraussetzungen, die zur Herstellung von Gütern notwendig sind – dazu gehören Fabriken, Maschinen, Werkzeuge, Rohstoffe, Energiequellen, Infrastruktur und Boden. In einer Klassengesellschaft wie dem Kapitalismus ist entscheidend, wer diese Produktionsmittel besitzt: Die Kapitalistenklasse eignet sie sich privat an, um daraus Profit zu schlagen.
Darüber hinaus kann man im weiteren Sinne auch Instrumente der geistigen Produktion – etwa Medien – als Teil der gesellschaftlichen Produktionsmittel betrachten, insofern sie z.B. zur Erzeugung und Reproduktion von Ideologie dienen. Dies gilt insbesondere für Plattformen der öffentlichen Meinungsbildung, die unter kapitalistischen Bedingungen meist im Besitz von Großkonzernen sind und somit der ideologischen Stabilisierung der Herrschaftsverhältnisse dienen.
Produktionsmittel, sofern sie zur Kapitalverwertung eingesetzt werden (also in einem Verwertungsprozess zur Profitgenerierung), sind Kapital. Der Besitz von Produktionsmitteln bedeutet im Kapitalismus daher immer: Macht über die Arbeit anderer Menschen.
Die Bourgeoisie ist die Klasse, die im Kapitalismus über die Produktionsmittel verfügt. Sie lebt nicht von eigener Arbeit, sondern von der Aneignung des Mehrwerts, den andere – nämlich das Proletariat – durch ihre Arbeit schaffen. Die Bourgeoisie ist daher mit dem Begriff Kapitalistenklasse gleichzusetzen.
Indem sie Produkte, die von der Arbeiterklasse unter ihrer Kontrolle hergestellt wurden, profitbringend verkauft, verwertet sie ihr Kapital und vergrößert damit fortlaufend ihren gesellschaftlichen Einfluss. Die Bourgeoisie ist also nicht nur ökonomisch herrschend, sondern übt auch über den Staat, die Medien, das Bildungssystem und die Kultur ideologische Hegemonie aus, um ihre Herrschaft abzusichern.
Das Proletariat ist die Klasse derjenigen Menschen, die keine Produktionsmittel besitzen und daher gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um zu überleben. Sie sind der kapitalistischen Produktionsweise vollständig untergeordnet und tragen durch ihre Arbeit die gesamte materielle Grundlage der Gesellschaft.
Der Lohn, den das Proletariat erhält, ist nicht der volle Wert seiner Arbeit, sondern nur ein Teil davon – der Rest wird vom Kapitalisten als Mehrwert einbehalten und in Form von Profit realisiert. Daraus ergibt sich der Klassenwiderspruch: Die Interessen des Proletariats und der Bourgeoisie sind objektiv unvereinbar.
Diese Klassenspaltung ist kein Unfall oder Auswuchs des Kapitalismus, der sich durch moralische Appelle oder einzelne Reformen überwinden ließe – wie es etwa von bürgerlichen Sozialdemokraten suggeriert wird. Sie ist vielmehr struktureller Kern der kapitalistischen Produktionsweise selbst.
Der Besitz von Produktionsmitteln ist die Ursache der Klassenspaltung. Solange es diesen privaten Besitz gibt, wird es ausgebeutete und ausbeutende Klassen geben – ein Zustand, der sich nur durch die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus und die Einführung des gesellschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln im Sozialismus beenden lässt.
Imperialismus
Der Imperialismus ist einerseits das höchste und ein für ihn nötiges Stadium des Kapitalismus, er ist die Diktatur des Finanzkapital, in welchem sich der Monopolkapitalismus wie ein Spinnennetz über den gesamten Planeten ausgebreitet und alles unter seine Kontrolle bringt. Jedweder Wirtschaftszweig wird in wenigen Monopolstellungen zusammengefasst und unter den Schirm eines riesigen Organes des Finanzkapitals gebracht um dessen Profite von allen nur erdenklichen Einflüssen des Marktes zu schützen. Die „Urform“ des Kapitalismus in welchem Unternehmen in Konkurrenz zueinander agiert haben ist vorbei und es folgt eine Zeit der Preisabsprachen und eine Unterdrückung jedweger Gefahren des Monopols, diese Unterdrückung äußert sich meistens im Aufkauf kleinerer Firmen, Patenten oder die massive Übervorteilung was Produktionskosten angeht durch den Besitz ganzer Produktionsketten und Rohstoffquellen.
Der Aufkauf von Unternehmen durch das Monopol welche diesem Konkurrenz machen wollen werden meistens durchgeführt nachdem der Aktienpreis der aufzukaufenden Unternehmen durch Strategien wie massive Preisunterbietung mithilfe von Jahrelangen Verlusten (Beispiel: Uber) in den Keller getrieben wird sodass die Monopole einen Spottpreis für die aufzukaufenen Unternehmen bezahlen.
Der angesprochene Besitz ganzer Produktionsketten (Rohstoffquellen, Verarbeitung von Rohstoffen, Herstellung von Einzelteilen,…) ist charakteristisch für den Imperialismus und die Herrschaft der Monopole.
Lenin hat in seinem Buch „Der Imperialismus als höchsten Stadium des Kapitalismus“ vier Charakteristiken für die Epoche des Monopolkapitalismus nidergeschrieben, welche immer noch, oder besonders gerade, hoch aktuell sind:
1. „Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen“ d.h. der Kern des Kapitalismus, nämlich die Akkumulation und Zentrierung von Kapital führt zwangsmäßig zu Monopolen, da dieser Kampf zwischen den verschiedenen Kapitalien immer einen Gewinner hervorbringt: Das Monopol.
2. „Die Monopole haben in verstärktem Maße zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen geführt […]“
Lenin hat als Beispiel dafür die Eisenproduktion ausgesucht, diese Analyse können wir genau so für die heutige Zeit durchführen. Die Stahlproduktion beläuft sich in Deutschland auf insgesamt 36,8 Millionen Tonnen, drei Unternehmen produzieren mit 24,75 Millionen Tonnen fast 70% des in Deutschland produzierten Stahls:
Thyssenkrupp Steel Europe AG mit 11 Millionen Tonnen
ArcelorMittal Germany Holding GmbH mit 7 Millionen Tonnen
und Salzgitter AG mit 6,75 Millionen Tonnen
Diese Unternehmen stehen unter massivem Einfluss des deutschen Finanzkapitals und stehen damit für die Monopolstellung des deutschen Großkapitals, besonders da alle der aufgelisteten Unternehmen Schnittmengen in ihren Aktionären aufweisen.
3. „Das Monopol ist aus Banken erwachsen. […] Drei bis fünf Großbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittenen Nationen haben […] die Verfügungsgewalt über Milliarden und aber Milliarden konzentriert (heute eher hunderte bis tausende Milliarden), die den größten Teil der Kapitalien und der Geldeinkünfte des ganzen Landes ausmachen.“
Auch dies lässt sich auf die heutige Zeit projizieren:
Sparkasse (insgesamt) 1.512,7 Milliarden Euro
Deutsche Bank 1.387 Milliarden Euro
Volksbank 1.208 Milliarden Euro
DZ Bank 660 Milliarden Euro
Es zeigt sich auch hier, wie Kapital an der Spitze zentriert und akkumuliert wird und somit eine kleine Anzahl an Verbänden über quasi alle Ökonomischen Vorgänge bestimmen.
4. „Das Monopol ist aus der Kolonialpolitik erwachsen. Den Zahlreichen alten Motiven der Kolonialpolitik fügte das Finanzkapital noch den Kampf um Rohstoffquellen hinzu, um Kapitalexport, um Einflusssphären – d.h. um Sphären für gewinnbringende Geschäfte, Konzessionen, Monopolprofite usw. – und schließlich um das Wirtschaftsgebiet überhaut.“ Auch dies zeigt sich heute deutlicher denn je, von Coups der USA gegen afrikanische Nationen, in denen die Menschen sich unabhängig vom westlichen Finanzkapital machen wollen über Erpressung von Nationen, die sich leichtgläubig auf die militärische Hilfe der westlichen Nationen verlassen haben, diese dann aber nur gegen Rohstoffabkommen bekommen, bis hin zu dem Besetzen ganzer Nationen in Westasien, um die Imperialistischen Interessen der eigenen Nation zu schützen (Palästina, Iraq, …). Viele dieser kriegerischen Imperialistischen Vorgänge werden unter dem Denkmantel der Terrorbekämpfung durchgeführt, wobei die Definition von Terror in diesem Fall nicht erläutert wird, denn würde man dies tun würde schnell klar werden, dass der eigentliche Terror von den westlichen Nationen ausgeht.
(Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, S. 185-187)
Es zeigt sich der reaktionäre Charakter des Imperialismus und folglich auch des Kaptialismus.