Vor etwa einem Monat startete die Global Sumud Flotilla in Spanien.
Die Flotilla ist ein Zusammenschluss internationaler Solidaritätsschiffe, der den Geist palästinensischer Standhaftigkeit („Sumud“) auf die Weltmeere tragen soll. Mit ihrer Fahrt wollen die Aktivistinnen und Aktivisten die von den Vereinten Nationen wiederholt als illegal bezeichnete Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen und lebensrettende Hilfsgüter nach Gaza bringen.
Die Flotte transportiert rund 300 Tonnen Hilfsgüter, was etwa 12 Lkw-Ladungen entspricht. Diese Hilfsgüter wären nur ein Tropfen auf einem glühenden Stein – weit wichtiger ist jedoch das Zeichen, das die Aktion setzt: die Brutalität Israels im Umgang mit diesen Hilfslieferungen offenzulegen.
Derzeit besteht die Mission aus 45 Schiffen mit insgesamt 497 Teilnehmenden aus 46 Ländern. Jeder Kontinent der Erde ist vertreten.
Sabotage durch Israel
Bereits vor wenigen Monaten hat die Freedom Flotilla dasselbe versucht. Die damalige Mission bestand jedoch – im Gegensatz zur aktuellen – nur aus einer Handvoll Schiffe, die vor der Küste Gazas in internationalen Gewässern von der israelischen Armee abgefangen wurden. Die Teilnehmenden wurden in Haft genommen.
Nun ist die Flotte gewachsen – doch ebenso die israelische Aggression gegen sie. Am 9. und 10. September erfolgten Drohnenangriffe mit Brandbomben vor der Küste Tunesiens auf mehrere Boote. Am 24. September folgte ein weiterer Angriff auf mehr als ein Dutzend Schiffe, bei dem unter anderem Blendgranaten eingesetzt worden sein sollen.
Diese Angriffe dienen klar der Einschüchterung und sollen die Flottille zum Umkehren zwingen. Auch wenn Israel jede Verantwortung abstritt, ist es nur logisch anzunehmen, dass diese Angriffe von Israel ausgingen.
Symbolpolitik durch europäische Staaten
Vor einer Woche entsandten Spanien und Italien Kriegsschiffe, angeblich um die Flottille zu „schützen“. Aus beiden Ländern befinden sich jeweils etwa 50 Teilnehmende an Bord. In Italien haben Hafenarbeiter angekündigt, das Land lahmzulegen, falls der Flottille etwas zustößt.
Man kann naiv hoffen, dass diese Schiffe die Flottille wirklich schützen, die Seeblockade durchbrechen oder zumindest jede Gewalt gegen die Teilnehmenden verhindern würden. Die Realität sieht jedoch anders aus: Es handelt sich überwiegend um Symbolpolitik. Das zeigt die heutige Ankündigung aus Italien, wonach den Teilnehmenden angeboten wird, auf das Kriegsschiff umzusteigen, das sich heute auf den Weg zurück nach Italien machen wird.
Spanien hat einen solchen Schritt bislang nicht angekündigt; Griechenland und die Türkei haben der Flottille zwar Überwachung und Schutz zugesichert, eine militärische Konfrontation zwischen einem NATO-Staat und Israel ist aber de facto ausgeschlossen.
Legitimation durch den Roten Halbmond, Delegitimierung durch Israel
Während der Rote Halbmond – die Schwesterorganisation des Roten Kreuzes in der arabischen Welt – die Mission unterstützt, versucht Israel diese zu delegitimieren. Am 29. September hat der Rote Halbmond mit Unterstützung der türkischen Marine weitere Hilfslieferungen an die Flottille übergeben. Gleichzeitig arbeitet Israel an der Delegitimierung der humanitären Mission und bereitet die Rechtfertigung für einen Angriff vor. So veröffentlichte das israelische Außenministerium auf X einen Beitrag, in dem angebliche Dokumente präsentiert wurden, die im Gazastreifen gefunden worden sein sollen und die eine direkte Planung sowie Finanzierung der Global Sumud Flotilla durch die Hamas „belegen“ sollen.
Was kommt auf die Flottille nun zu?
Diese Frage stellen sich derzeit Millionen Menschen weltweit. Und die Antwort scheint auf den ersten Blick einfach: Die Seeblockade wird nicht durchbrochen werden. Israel hat mehrfach angekündigt, dies unter allen Umständen zu verhindern. Auch wenn die hohe Zahl an Schiffen und Teilnehmenden die Mission komplizierter macht, bleibt Israel genug Zeit, jedes einzelne Schiff aufzuhalten.
Die israelische Nachrichtenseite Walla meldete, dass das Gesundheitsministerium den Alarmstatus in mehreren Krankenhäusern erhöht habe – aus Sorge vor möglichen Verletzten bei Zusammenstößen mit der Flottille.
Während die Freedom Flotilla noch ohne größere Verletzungen gestoppt wurde, stellt sich die Lage nun deutlich zugespitzter dar: Die Delegitimierung durch Israel ist umfassender, und die Gefahr, dass die Blockade diesmal tatsächlich durchbrochen werden könnte, ist gewachsen. Umso erschreckender wirkt daher die Nachricht, dass Krankenhäuser bereits angewiesen wurden, sich auf Verwundete vorzubereiten.
Die Flotte befindet sich aktuell in der Gefahrenzone — in der Region, in der die letzte Flottille gestoppt wurde. Was genau passieren wird, kann niemand sagen; die nächsten Stunden und Tage werden entscheidend sein. Spätestens in 48 Stunden sollte die Flotte Gaza erreichen, die Flaggschiffe möglicherweise schon früher.
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