Der Deutsche Feel-Good-Antifaschismus

Die zunehmende Stärkung von faschistischem Gedankengut ist nichts neues in diesem System und dessen Thematisierung nahm in den letzten Wochen besonders auf Grund der Neugründung der Jugendorganisation der AFD „Jugend Alternative“ (JA) wieder zu. Bürgerliche Medien sowie Parteien stellen sich scheinbar schützend auf die Seite der Unterdrückten. Gewerkschaften welche zu rein identitätspolitischen Organen verkümmern, Parteien die im Bundestag für härtere Abschiebung eintreten, bürgerliche Organisationen ohne politischen Kern sowie Zionisten welche den Genozid in Palästina als berechtigte Selbstverteidigung abtun stehen alle zusammen gegen den Faschismus! Die Ironie in diesem Satz sollte wohl hoffentlich jedem einen ersten Überblick über die wirre Lage geben in der wir uns derzeit befinden. In diesem Beitrag möchte ich eine Kritik an der Organisation Widersetzen und den mit ihr verbundenen bürgerlichen Mitstreitern darlegen.

Diese Kritik wird in zwei Teilen passieren: 1. Eine Analysen des Charakters des Faschismus und sein Ursprung im Kapitalismus und 2. der deutsche Antifaschismus und eine Kritik dessen bürgerlichen Charakters.

Kapital und Faschismus, eine Freundschaft wie sie im Buche steht

Der Faschismus ist kein Zufall in der Menschheitsgeschichte der ab und zu „einfach mal passiert“ und den es nicht zu verhindern geht, er ist die reaktionärste und regressivste Form eines System welches auf Krisen aufgebaut ist. Ein System was, wenn die Krisen und Widersprüche welche es selbst schafft zu stark werden die Maske der „Liberalen Demokratie“ ablegt und seinen wahren autoritären Kern zeigt. In einer Zeit der Spinnennetz artigen Ausbreitung der Kontrolle des Kapitals über die ganze Welt und der imperialistischen Neuaufteilung nehmen Konflikte, Kriege und das globale Säbelrasseln stetig zu. Doch diese Kriege und die steigenden Profite in einer Welt der absoluten Profitmaximierung müssen bezahlt werden und es sollte klar sein, dass der Profit für die Reichen und Aktionäre nicht von ihnen selbst gezahlt werden kann sondern von den Arbeitern. Dies zeigt sich deutlich im Abbau von Sozialleistungen und mit dem daraus „eingesparten“ Geldes eine Umstrukturierung der ökonomischen Ordnung in eine Kriegswirtschaft und der daraus entspringenden höheren Profite für Rüstungskonzerne und ihrer Kooperationspartner.

Doch wie bereits angemerkt treffen diese Einsparungen nicht die Reichen sondern die Arbeiterklasse und damit diese sich nicht gegen die Herrschenden, welche für diese Probleme verantwortlich sind, auflehnen und revoltieren benötigt es Feindbilder auf die die Arbeiter runterschauen (und Spucken) können. Hier kommen verschiedene Feinbilder zusammen: einerseits werden rassistische Ideen im bürgerlichen Diskurs als normal anerkannt (e.g. das Stadtbild), das Lumpenproletariat in Form von „Sozialschmarotzern“ und andere am schlechten gestellten Anhänger der Arbeiterklasse. Dies führt zu einer Spaltung der Klasse wessen Anhänger eigentlich deckende Interessen haben. Der Diskurs wird, bildlich gesprochen, von „Unten gegen Oben“ auf „Unten gegen noch weiter Unten“ gelenkt. Der Feind wird nicht an der Wurzel der Probleme gesucht sondern in den eigenen Reihen. Dies ist der wichtigste Aspekt der den Faschismus mit dem Kapitalismus verbindet und den das Kapital in Krisenzeiten benötigt.

Der Kapitalismus bringt ein Denken mit sich welches durch Konkurrenz und Hierarchien gefüttert wird und durch die Idee von „nationaler Überlegenheit“ gestärkt wird – Nährboden für faschistische Ideen. Repression gegen Kommunisten nimmt zu, Verschlechterung der Lebensumstände für die Arbeiter sowie Kriegsvorbereitung und letztendlich Kriege in denen Arbeiter ihre Klassenbrüder und Schwestern töten, alles unter dem Deckmantel des „nationalen Selbstschutz“ und alles für die Interessen des Kapitals.

Der deutsche Antifaschismus und eine Kritik dessen bürgerlichen Charakters

Der Deutsche „Antifaschismus“ lässt sich am besten als eine Nichtsaussagende „Feel-Good-Aktion“ beschreiben. Wie wir bereits gesehen haben ist der Faschismus eine Auswuchernde Form des in die Krise geratenen Kapitalismus, Krisen welche dieses System durch seine alles verschlingende Charaktereigenschaften selbst hervorbringt. Es sollte also nicht allzu schwer fallen zu verstehen, dass Antifaschismus auch Antikapitalistische und in Gänze international Solidarisch ausfallen muss – falsch gedacht. Wir deutschen halten es mit dem Antifaschismus eher locker, für uns reicht es ein #FUCKAFD Sticker auf dem Laptop zu haben um uns selbst Antifa schimpfen zu dürfen. Es geht nicht um eine wahre Bekämpfung, geschweige denn Lösung des Problems sondern rein um eine idealistische Selbstdarstellung. Ich möchte mit dieser Kritik zwar nicht sagen, dass jeder Mensch welcher sich Widersetzen auf der Demo gegen die neue JA den 15.000 Demonstranten angeschlossen hat ein Teil dieser bürgerlichen „Feel-Good“ Gemeinschaft ist. Mir fällt es jedoch schwer anzuerkennen, dass hier irgendein anderes Ziel als die reine Selbstdarstellung und die Hoffnung sollte Deutschland sich wieder auf 33 setzt, ruhig schlafen zu können da „man ja das richtige getan hat“, während mit bürgerlichen Systemschützern und Zionisten marschiert wird welche gewissermaßen genauso für den Faschismus stehen wie es die AFD tut, nur dass diese nach Außen wenigstens sagen, wofür sie stehen. Ich finde an dieser Stelle die Analogie des „Wolf im Schafpelz“ und der bürgerlich liberalen Parteien sehr passend. Die liberalen Parteien täuschen im bürgerlichen Diskurs vor sie seien auf der Seite der marginalisierten Gruppen während sie im Bundestag für die Tötung von Zivilisten einstehen und Apartheid Regime, dessen Bomben es auch egal ist ob eine Person eine Behinderung hat, Homosexuell oder Trans ist, unterstützen. Es wird „gegen den Faschismus“ gekämpft während die eigenen Reihen voll mit Anhängern und strikte Verteidiger eines Systems sind welches „den Faschismus“ überhaupt ermöglicht. Es braucht keine bürgerlichen Politiker welche brüstende Reden über den Kampf gegen die AFD und damit „den Faschismus“ halten, keine nichtssagenden Demonstrationen ohne politischen Kern geschweige denn Langfristiger Strategie und auch keine Linkspartei im Bundestag welche durch die von ihr gefahrene Identitätspolitischen Schienen „den Rechtspopulisten“ ein noch einfacheres Feindbild geben. Was es für wahren Antifaschismus braucht ist Klassenkampf. Ein Wechsel vom nach Unten auf das nach Oben treten. Eine sozialistische Gesellschaft, welche dem Faschismus jeglichen Boden unter den Füßen wegnimmt und darauf folgend eine Kommunistische Welt welche alle Aspekte die den Faschismus überhaupt ermöglichen ausradiert – die Klassenaufteilung. Wir, die Arbeiter, sind vereint durch unsere ökonomische Klassenstellung doch werden durch idealen Wirrwarr wie Hautfarbe, Herkunft oder Sexualität getrennt obwohl wir ein Interesse teilen: ein befreites und gutes Leben, losgelöst von Krieg und Hunger, dafür gibt es eine Strategie: Klasse gegen Klasse anstatt Arbeiter gegen Arbeiter!

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