Trumps Aufmarsch gegen Venezuela

Seit August baut das US-Militär auf Anweisung von Präsident Donald Trump seine militärische Präsenz in der Karibik aus.
Der Fokus liegt dabei auf Venezuela – offiziell wegen mutmaßlichen Drogenschmuggels in die USA und der angeblichen Verstrickung von Präsident Nicolás Maduro in diese Aktivitäten.
Seit August hat das US-Militär laut eigenen Angaben vier Kartellboote, die Drogen in die USA schmuggeln sollten, in internationalen Gewässern mit Raketen angegriffen und die Boote samt Besatzung versenkt.
In den letzten Tagen wurde eines deutlicher: Das Trump-Regime wird es nicht nur bei Angriffen auf angebliche Kartellboote auf hoher See belassen, sondern militärisch in Venezuela intervenieren.

Dafür hat das US-Militär aktuell mindestens zehn U.S.-Navy-Kriegsschiffe in der Region. An Bord befinden sich Raketen, Marschflugkörper und rund 2.500 kampfbereite Marines. Auch hat die U.S. Air Force Drohnen und F-35-Kampfflugzeuge nach Puerto Rico – also in unmittelbare Reichweite Venezuelas – verlegt.

Dieser militärische Aufmarsch ist aus vielen Gründen völlig ungeeignet, um den Drogenschmuggel von Venezuela in die USA wirksam zu stoppen.
Die Küstenwache verfügt über hoheitliche Befugnisse zur Strafverfolgung, über spezialisierte Erfahrung in der Drogenbekämpfung und über einsatzspezifische Ausrüstung – Eigenschaften, die sie für diese Aufgabe deutlich geeigneter machen. Außerdem besitzt die US-Küstenwache Schiffe mit ausreichend Feuerkraft, um sich gegen Kartellschiffe zu behaupten. Die Kartelle wissen das meist und ergeben sich häufig sofort, sodass die Küstenwache Hinweise auf Hintermänner oder Komplizen in den USA sicherstellen kann. Nicht zuletzt wäre ein Einsatz der Küstenwache auch deutlich kosteneffizienter.

Von CSIS | Center for Strategic and International Studies

Trumps Kriegsrhetorik spaltet Washington

Selbst in den USA sind die Stimmen, die die Angriffe auf die Boote als illegal betrachten, nicht zu überhören.
Der demokratische Senator Jack Reed, Vorsitzender des Militärausschusses im US-Senat, kritisierte die Regierung scharf dafür, den Kongress über die Angriffe im Unklaren gelassen zu haben und „keine glaubwürdige rechtliche Begründung, keine Beweise oder Geheimdienstinformationen“ vorzulegen, die die Angriffe rechtfertigen würden.
In einer Erklärung warnte Reed: „Jeder Amerikaner sollte beunruhigt sein, dass sein Präsident beschlossen hat, geheime Kriege gegen jeden zu führen, den er als Feind bezeichnet.“ (Als ob das nicht auch schon frühere demokratische und republikanische Präsidenten getan hätten.)

Nun versucht die US-Regierung, die erfolgten und noch kommenden Angriffe vor dem US-Kongress und Senat zu legitimieren.
Präsident Donald Trump behauptet in einer schriftlichen Mitteilung an den amerikanischen Kongress, dass sich die Vereinigten Staaten in einem „bewaffneten Konflikt“ mit Drogenkartellen befänden, die in den USA Betäubungsmittel vertreiben.
In der Mitteilung heißt es weiter: „Die Vereinigten Staaten haben nun einen kritischen Punkt erreicht, an dem wir Gewalt zur Selbstverteidigung und zur Verteidigung anderer gegen die andauernden Angriffe dieser als terroristisch eingestuften Organisationen einsetzen müssen.“

Trump ordnet Abbruch der Diplomatie an

Die New York Post berichtete, dass bis zuletzt Richard Grenell als Sondergesandter des US-Präsidenten mit Maduro und der venezolanischen Regierung verhandelt habe. Dieser sei am Donnerstag (08.10.2025) bei einem Treffen mit Angehörigen des US-Militärs von Präsident Trump angewiesen worden, alle diplomatischen Bemühungen einzustellen.


Weiter schreibt die New York Post:
„Amerikanische Regierungsvertreter erklärten, die Trump-Regierung habe mehrere militärische Pläne für eine Eskalation ausgearbeitet. Zu diesen Operationen könnten auch Pläne gehören, Maduro aus dem Amt zu drängen. Außenminister und Nationaler Sicherheitsberater Marco Rubio bezeichnete Maduro als ‚illegitimen‘ Staatschef und verwies wiederholt auf eine US-Anklage gegen ihn wegen Drogenhandels.“
Zuletzt erhöhten die USA das bereits bestehende Kopfgeld auf Nicolás Maduro auf 50 Millionen US-Dollar.

Ein neues Kapitel im angeblichen ‚War on Drugs‘

Die Luftschläge auf angebliche Kartellboote stellen eine nie dagewesene Eskalation im amerikanischen „War on Drugs“ dar. Das Center for Strategic and International Studies (CSIS), ein „Think Tank“ welcher sich mit Außenpolitik befasst, schreibt in einer Analyse, dass das Versenken von Booten ohne Vorwarnung und mit Besatzung an Bord eine Maßnahme sei, die zuvor niemals angewandt wurde.
Die große Frage, die sich nun stellt, ist, ob auf die Luftschläge und die Kriegsrhetorik des Trump-Regimes eine Invasion folgen wird.
Das CSIS stellt fest, dass sich aufgrund der großen Anzahl von US-Marines in der Karibik die Frage nach Bodenoperationen aufdrängt. Gleichzeitig merkt das Institut an, dass die militärische Präsenz der USA noch deutlich unter der Truppenstärke liegt, die man für eine Invasion Venezuelas benötigen würde – derzeit befinden sich etwa 6.000 der geschätzten 50.000 erforderlichen Soldaten in der Region.

Von CSIS | Center for Strategic and International Studies

Von CSIS | Center for Strategic and International Studies

Weiter heißt es beim CSIS:
„Die USA haben in ähnlichen Situationen häufig Luftangriffe eingesetzt, da diese präziser sind und das Risiko amerikanischer Opfer deutlich geringer ist. Die USA könnten Langstreckenraketen einsetzen, um Kartellanlagen in ländlichen Gebieten anzugreifen, wo das Risiko von Kollateralschäden gering ist. Schiffsgestützte Tomahawk-Raketen beispielsweise können eine Reichweite von 1.600 Kilometern erreichen – genug, um Ziele überall in Venezuela zu treffen und gleichzeitig den Schiffen eine gewisse Distanz zu gewährleisten.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Trump-Regime es nicht nur bei vier versenkten Schiffen belassen wird, ist hoch – zumindest sprechen die aktuelle Kriegsrhetorik und der Aufwand, der mit der Stationierung des Kriegsmaterials in der Region betrieben wird, dafür.

Von CSIS | Center for Strategic and International Studies

Szenario: Angriff auf US-Botschaft als Vorwand

Eine Möglichkeit, wie die USA dennoch eine Invasion Venezuelas rechtfertigen könnten, verbreitete sich ab Montag in den Medien. Präsident Maduro erklärte, seine Regierung habe Washington gewarnt, dass es zu einem „false flag“-Angriff auf die US-amerikanische Botschaft in Venezuela kommen könnte.

Eine „False Flag“ bezeichnet eine verdeckte Aktion, bei der ein Staat oder eine Gruppe einen Angriff oder ein Ereignis inszeniert und es fälschlich einem anderen Akteur zuschreibt, um politische oder militärische Vorteile zu erzielen.

Bei einem solchen Angriff könnten Drogenkartelle zum vermeintlichen Angreifer erklärt werden. Daraufhin könnten die USA mit Luftangriffen auf Venezuela reagieren und innerhalb weniger Tage oder Wochen genügend Personal in die Karibik verlegen, um eine Invasion durchzuführen.

Warum Venezuela?

Im Dezember 1989 starteten die USA unter dem Codenamen „Operation Just Cause“ eine Invasion in Panama, um den dortigen Machthaber Manuel Noriega zu stürzen.
Die Intervention wurde offiziell mit dem Schutz amerikanischer Staatsbürger und der Bekämpfung des Drogenhandels begründet, diente jedoch vor allem der Sicherung des US-Einflusses über den Panamakanal und der Durchsetzung imperialistischer Interessen in Mittelamerika.
Präsident Trump verfolgt nun ähnliche Ziele und versucht, sie erneut mit der Begründung des Schutzes amerikanischer Staatsbürger und der Bekämpfung des Drogenhandels durchzusetzen. Zum einen pflegt die venezolanische Regierung enge Beziehungen zu Russland, dem Iran und China. Eine pro-amerikanische Regierung hingegen würde den Einfluss dieser Länder in Süd- und Mittelamerika zurückdrängen und den USA zugleich einen einfacheren und kostengünstigeren Zugang zu venezolanischem Öl ermöglichen. Auch in Fragen der Migrationskontrolle könnte Venezuela zu einem wichtigen Partner der USA werden.

Bild- und Textquellen:

https://x.com/ianellisjones/status/1969839401392890104?s=46

https://www.washingtonpost.com/national-security/2025/10/02/trump-drug-cartel-war-venezuela-congress

https://www.nytimes.com/2025/10/06/us/politics/trump-venezuela-maduro.html

https://www.csis.org/analysis/trumps-war-drug-cartels-interdiction-caribbean-or-invasion-venezuela

https://www.csis.org/analysis/going-war-cartels-military-implications

https://www.reuters.com/world/americas/venezuela-warns-possible-attack-us-embassy-caracas-2025-10-06

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