Am Samstag, den 09. August, dem Geburtstag von Friedrich Engels, versammelten sich in Wuppertal zahlreiche Menschen zu einer Gedenkdemonstration. Engels, der 1820 im damals selbstständigen Barmen – heute ein Stadtteil Wuppertals – geboren wurde, gilt als einer der wichtigsten Theoretiker der Arbeiterbewegung und Mitbegründer des wissenschaftlichen Sozialismus. Sein Geburtshaus, das bis heute als Museum erhalten ist, wurde dabei erneut zum symbolischen Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart revolutionärer Kämpfe aufeinandertrafen.
Eine der teilnehmenden Organisationen war die Kommunistische Partei (KP). Mit Vertretern der KP haben wir ein Gespräch geführt – über die Bedeutung Friedrich Engels’ für die heutige Bewegung, über die politischen Forderungen der Demonstration und darüber, warum Wuppertal ein zentraler Erinnerungsort für die Arbeiterklasse bleibt.

Wer seid ihr und wofür steht eure Partei?
Die Kommunistische Partei (KP) wurde im Sommer 2024 gegründet. Dieser Gründung ging ein sechs Jahre andauernder Vorbereitungsprozess im Rahmen der Kommunistischen Organisation (KO) voraus. Wir befinden uns als Partei im Aufbauprozess, das heißt, wir arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung unserer Strukturen (bspw. dem Aufbau eines Jugendverbandes) und politischen Arbeit (bspw. an unserer Taktik in den Gewerkschaften). Als Kommunisten kämpfen wir für die Herrschaft der Arbeiterklasse, für den Sozialismus. Das bedeutet wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der die Wirtschaft auf die Interessen der Arbeiterklasse ausgelegt ist anstatt auf steigende Profite für einige Wenige.
Warum habt ihr an der Demonstration teilgenommen?
Wir haben an der Demonstration teilgenommen, weil Friedrich Engels nicht nur einer der bedeutendsten Wuppertaler war, sondern eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der gesamten Menschheitsgeschichte. Die Weltanschauung der Kommunisten ist bis heute der Marxismus-Leninismus, den es ohne Engels nicht gäbe. Für alle Kommunisten und Kommunistinnen auf der Welt hat Engels also eine große Bedeutung.
Welche Bedeutung hat Friedrich Engels aus eurer Sicht?
Friedrich Engels hat als Mitbegründer des Marxismus entscheidend dazu beigetragen, den Kommunismus aus einer bloßen gesellschaftlichen Utopie in eine wissenschaftlich fundierte Weltanschauung zu verwandeln. Dank ihm wissen wir heute, dass der Kommunismus nicht nur die einzige Möglichkeit ist, die Menschheit voranzubringen, sondern auch eine historische Notwendigkeit darstellt. Engels zeigt uns nicht nur wie wir die Welt heute verstehen können, sondern auch, wie wir sie verändern können.
Was können wir heute noch von Engels lernen und wie lässt sich die Welt mit ihm verstehen?
Genau das können wir noch heute von Engels lernen: Wie wir die Welt um uns herum verstehen und ändern können. Die Geschichte der Menschheit ist keine zufällige Abfolge von zufälligen Ereignissen. Wir können in der menschlichen Gesellschaft, wie auch überall sonst im Universum, Ordnung und Gesetzmäßigkeiten finden. Die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung findet man in ihrer realen, materiellen Grundlage: In der Produktion, in der Arbeit. Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte der menschlichen Arbeit. „Sie hat den Menschen selbst geschaffen“, sagt Engels. Mit der Entwicklung der Produktivkräfte geht einher, dass sich auch die Art der Produktion verändert und mit ihr das Zusammenleben der Menschen. Auf dieser Basis aufbauend entwickeln sich erst Staat, Kultur, Kunst, Moral. Dank dieser genialen theoretischen Einsichten lässt sich heute wissenschaftlich verstehen, wo die verschiedensten sozialen Probleme herkommen, seien es Armut, Krieg oder Klimakatastrophe. Sie entstehen nicht zufällig, wegen „schlechter Entscheidungen“ einzelner Politiker oder Konsumenten. Sie entstehen nicht wegen falscher Moralvorstellungen oder überkommener religiöser Werte. Sie entstehen auch nicht, weil eine kleine „Schattenelite“ heimlich die Fäden zieht. Sondern sie entstehen als direktes Resultat der Weise unseres Zusammenlebens, also der kapitalistischen Produktionsweise.

Welche Botschaften wolltet ihr mit eurem Redebeitrag vermitteln?
Wir wollten insbesondere darauf aufmerksam machen, dass Engels nicht nur ein Philosoph und Industrieller war, wie ihn die Wuppertaler Stadt gern darstellt. Dass Engels ein kommunistischer Revolutionär, der zum Beispiel in der Badischen Revolution 1848/1849 mitkämpfte, war, wird gern ausgeblendet. Es soll nur der aus Sicht der Stadt politisch hinnehmbare Engels gezeigt werden. Wir wollten den echten Engels sichtbar machen. Außerdem wollten wir die Zuhörenden darauf aufmerksam machen, dass die gewaltigen Probleme, mit denen sich die Arbeiterinnen und Arbeiter in unserem Land konfrontiert sehen, kein Zufall sind. Die Wut der Arbeiterklasse ist berechtigt.
Welches Ziel verfolgtet ihr mit eurer Teilnahme?
Wir wollten einerseits der schon erwähnten Verklärung von Engels durch die Stadt Wuppertal etwas entgegensetzen. Andererseits wollten wir unsere Mitmenschen dazu bewegen, ihre Probleme als solche zu erkennen und sich dagegen zu wehren. Zusammen mit weiteren Organisationen, die auf der Demonstration waren, insbesondere mit den Initiatoren des Engels-Bündnisses, haben wir das getan. Außerdem wollten wir dadurch unsere Solidarität mit all denen zeigen, die auf der Engels-Demo vor vier Jahren brutal von der Polizei drangsaliert wurden, ohne dass jemals ein Beamter dafür belangt wurde. Die Opfer haben es immerhin geschafft, dass das Verwaltungsgericht den damaligen Polizeieinsatz für weitgehend illegal erklärt hat. Dennoch bleibt Repression ein relevantes Thema für uns alle.
Auf der Demonstration wurde auch starke Solidarität mit Palästina ausgedrückt – warum gerade in diesem Kontext?
Was momentan in Palästina passiert, ist unfassbar erschütternd. Es gibt keine Worte, die die Grausamkeit beschreiben könnten, der das palästinensische Volk ausgeliefert ist. Was dort passiert, ist Völkermord. Deutsche Waffenkonzerne haben beispielsweise ein großes Interesse an den Geschäften mit den israelischen Schlächtern. Außerdem versucht das Kapital, das hinter Deutschland, der EU und der NATO steht, so seine wirtschaftliche und militärische Kontrolle im Nahen Osten zu vergrößern. Es geht also wie immer um riesige Profite, um Ressourcen, Handelswege und militärische Geostrategie. Dafür wird eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte billigend in Kauf genommen. Das zu verstehen, haben wir auch Engels zu verdanken. Als Kommunistinnen und Kommunisten kämpfen wir selbstverständlich gegen den Völkermord und für antikoloniale und sozialistische Befreiung. Engels hätte es genauso getan.

Was ist euer Fazit zur Demonstration?
Die Demonstration war eine kämpferische Botschaft an die Stadt Wuppertal, die Wuppertaler Polizei und natürlich an die Politik der herrschenden Parteien, die heute Militarisierung und Sozialabbau vorantreiben. Wir konnten einigen Menschen unsere Standpunkte nahebringen und den echten Friedrich Engels zumindest in diesem Umkreis vertrauter machen. Wir sind selbst nicht Teil des Engels-Bündnis. Als KP sehen wir in Organisationsbündnissen stets die Gefahr, vermeintlich ideologische Einigkeit zu vermitteln, die nicht unbedingt gegeben ist – wir wollen stattdessen die Einheit der Arbeiterklasse im Kampf für die gemeinsamen Interessen (bspw. in den Gewerkschaften) stärken. Wir danken aber den Initiatoren der diesjährigen Demonstration erneut für ihre Arbeit.
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