Völkermord ohne Ende – die Geschichte der Unterdrückung Palästinas!

Nie Wieder ist jetzt – außer es sind Palästinenser

Der genozidale Vernichtungskrieg gegen das palästinensische Volk setzt sich unvermindert fort – trotz der jüngsten Massenproteste, wie der bedeutenden Demonstration in Berlin am 22.06.2025, bleibt der Widerstand der Straße ohne unmittelbare politische Konsequenzen. Die Linie der westlichen Regierungen verharrt in ungebrochener Kontinuität: Israels koloniales Siedlerregime, sein Apartheidsystem und sein Programm der ethnischen Säuberung werden weiterhin mit milliardenschweren Waffenlieferungen und diplomatischer Deckung unterstützt. Die Nakba, die 1948 ihren Anfang nahm, wird heute mit mechanisierter Brutalität zu Ende gebracht – ein Prozess der vollständigen Entvölkerung, der erst dann zum Stillstand kommen soll, wenn der letzte Widerstand der Palästinenser*innen erstickt ist.

Dieser Artikel verfolgt vier zentrale Anliegen: Erstens die Dekonstruktion der zionistischen Narrativs, das den gegenwärtigen Vernichtungskrieg als vermeintliche „Reaktion“ auf den 7. Oktober 2023 darstellt – eine Geschichtsfälschung, die die 76-jährige Kontinuität kolonialer Gewalt seit der Nakba ignoriert. Zweitens die Analyse der aktuellen Lage in Gaza, die über die unmittelbare humanitäre Katastrophe hinausgeht und die strukturelle Logik der Entmenschlichung als Kern israelischer Siedlerkolonialpolitik offenlegt. Drittens die Entlarvung der Rolle imperialistischer Mächte – insbesondere der USA und der EU –, die als Profiteure und strategische Komplizen des Völkermords agieren. Viertens die notwendige Standortbestimmung kommunistischer Praxis: Welche Aufgaben erwachsen für uns aus dieser Situation? Wie organisieren wir solidarischen Widerstand jenseits symbolischer Gesten?

Die Geschichte Palästinas

In diesem Kapitel wird zunächst die umfassende Geschichte der Palästinenser und des Gebietes Palästina dargestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer sachlichen, objektiven und möglichst wenig wertenden Darstellung, um eine klare Grundlage zu schaffen, da eine tiefere und ausführlichere Analyse in einem späteren Kapitel erfolgt. Das Kapitel ist in drei wesentliche Abschnitte gegliedert:
1. Die Vorgeschichte Palästinas, beginnend mit der Zeit des Römischen Reiches,
2. die bedeutenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen ab dem 19. Jahrhundert, einschließlich der Auswirkungen der Weltkriege sowie der Entstehung und Ausarbeitung der ersten zionistischen Pläne, und
3. die Periode von Beginn der Nakba bis in die heutige Zeit, mit besonderem Schwerpunkt auf der systematischen Vertreibung der Palästinenser und der fortwährenden kolonialistischen Siedlerpolitik Israels.

Palästina zur Zeit des römischen Reiches

Während der Herrschaft des Römischen Reiches war das Gebiet des heutigen Palästina eine bedeutende Region, die sowohl politisch als auch religiös eine zentrale Rolle spielte. Im Jahr 63 v. Chr. wurde das Hasmonäerreich durch den römischen Feldherrn Pompeius erobert und das Gebiet zunächst der Provinz Syria angegliedert. Ab dem Jahr 6 n. Chr. wurde Judäa, der südliche Teil der Region, zur eigenständigen römischen Provinz unter direkter Verwaltung eines kaiserlichen Prokurators – einer der bekanntesten war Pontius Pilatus. Die Römer herrschten über eine ethnisch und religiös vielfältige Bevölkerung, darunter Juden, Samaritaner, hellenisierte Gruppen und römische Bürger.

Die Spannungen zwischen der jüdischen Bevölkerung und der römischen Besatzung führten mehrfach zu Aufständen, insbesondere im Großen Jüdischen Krieg (66–73 n. Chr.), der mit der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70 n. Chr. endete. Ein weiterer bedeutender Aufstand war der Bar-Kochba-Aufstand (132–135 n. Chr.), nach dessen Niederschlagung Kaiser Hadrian die Provinz in Syria Palaestina umbenannte und Jerusalem als Aelia Capitolina neu gründete, um die jüdische Identität der Region gezielt zu schwächen.

Die römische Herrschaft brachte infrastrukturelle Entwicklungen wie den Ausbau von Straßen und Städten mit sich – etwa in Caesarea –, doch blieb das Gebiet ein Unruheherd, geprägt von religiösen Konflikten und politischen Spannungen.

Auch wenn die Konflikte von vor fast 2000 Jahren für die heutige Debatte kaum eine bis keine Relevanz speielen, war es mir doch wichtig dies als kurze Anmerkung einzuführen.

Das 19. Jahrhundert der Zionismus und die Weltkriege

Im 19. Jahrhundert nahm der Antisemitismus in Europa deutlich zu und führte zur ersten größeren Einwanderungswelle von Jüdinnen und Juden nach Palästina in der Neuzeit. Diese Bewegung wird als Alija bezeichnet (hebräisch für „Aufstieg“) und gilt als ein früher Schritt hin zum modernen politischen Zionismus. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass mir bewusst ist, dass es bereits zuvor jüdische Einwanderungen nach Palästina gab. Für die Intention dieses Textes ist eine detaillierte Analyse der früheren Alijot genau so wenig von zentraler Bedeutung wie eine tiefere historische Einordnung Palästinas zur Zeit des Römischen Reiches. Auch wenn dies manchem Leser vielleicht als zu stark vereinfachend erscheint, beziehe ich mich im Folgenden auf Theodor Herzl als Begründer der neuzeitlichen zionistischen Bewegung – verstanden im Sinne eines Programms zur Errichtung eines jüdisch-ethnonationalistischen Staates in Palästina. Diese Idee entwickelte sich insbesondere als Reaktion auf die massive antisemitische Verfolgung, der Jüdinnen und Juden im Europa des 19. Jahrhunderts ausgesetzt waren.

Der politische Zionismus nahm zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich an Kontur an – sowohl in seinen Zielen als auch in der Suche nach internationalen Verbündeten. In dieser Phase spielten die britischen Kolonialinteressen eine zentrale Rolle. Zwischen 1914 und 1917 machten die Briten widersprüchliche Versprechen an sowohl arabische als auch zionistische Akteure, um deren Unterstützung im Kampf gegen das Osmanische Reich zu gewinnen.

Im Jahr 1915 sagten die Briten dem Scherifen von Mekka, Hussein ibn Ali, im Rahmen des sogenannten Hussein-McMahon-Briefwechsels ihre Unterstützung bei der Errichtung eines unabhängigen arabischen Staates zu – ein Gebiet, das nach arabischer Lesart auch Palästina umfassen sollte. Im Gegenzug forderten die Briten militärische Hilfe im Kampf gegen das Osmanische Reich.

1916 begann in diesem Zusammenhang die Arabische Revolte, bei der arabische Truppen unter der Führung Husseins gegen die osmanische Herrschaft kämpften – unterstützt von Großbritannien. Im selben Jahr schlossen Großbritannien und Frankreich jedoch heimlich das Sykes-Picot-Abkommen, das große Teile Westasiens nach dem erwarteten Sieg über das Osmanische Reich unter den beiden Kolonialmächten aufteilte. Palästina wurde dabei unter internationale Verwaltung gestellt, sollte aber faktisch unter britischer Kontrolle stehen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Palästina schließlich offiziell zum britischen Mandatsgebiet unter dem Völkerbund erklärt – ein Schritt, der die Region dauerhaft unter westliche Kolonialherrschaft stellte und die zuvor gemachten arabischen Unabhängigkeitsversprechen konterkarierte.

Nur ein Jahr später, 1917, veröffentlichte der britische Außenminister Arthur Balfour eine Erklärung, in der sich Großbritannien erstmals öffentlich für die Errichtung einer „nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ aussprach. Diese Balfour-Deklaration stellte das erste formelle Bekenntnis einer westlichen Großmacht zum zionistischen Projekt dar – und stand in offenem Widerspruch zu den zuvor gemachten Zusagen gegenüber den arabischen Verbündeten.

Die westliche Kolonialherrschaft – und insbesondere die Tatsache, dass eine europäische Macht die Region Palästina erstmals einer anderen Bevölkerungsgruppe zusprach – führte frühzeitig zu Spannungen und den ersten Aufständen in der Region.

Die folgenden Jahre waren geprägt von der Gründung zahlreicher zionistischer Organisationen, die systematisch die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina vorbereiteten.

Ab 1933 wurden Jüdinnen und Juden im nationalsozialistischen Deutschland systematisch verfolgt, entrechtet, deportiert und schließlich in industriell organisierten Vernichtungslagern ermordet. Diese faschistischen Pogrome führten – insbesondere aus bürgerlich-liberaler Perspektive – zu einem verstärkten Drang nach einem eigenen jüdischen Nationalstaat. Die Diskussion um die Notwendigkeit eines solchen Staates nahm an Intensität zu. Außerdem wurde im folge des Holocausts der Internationale Gerichtshof wie wir ihn heute kennen gegründet.

In Palästina führten diese Entwicklungen jedoch zu immer stärkeren Spannungen zwischen der arabischen Bevölkerung und der wachsenden Zahl jüdischer Siedler. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, Streiks und auch zu tödlichen Konflikten.

1937 veröffentlichte die britische Peel-Kommission ihren Bericht. Sie kam zu dem Schluss, dass ein dauerhafter Frieden nur durch eine Zweistaatenlösung möglich sei:

„Die Aufteilung des Staats bietet eine Chance auf endgültigen Frieden. Das tut kein anderer Plan.“

Sowohl die arabischen Staaten als auch die palästinensische Führung lehnten den Teilungsplan sowie das zionistische Vorhaben, Teile Palästinas in einen jüdischen Nationalstaat zu verwandeln, entschieden ab. Sie erklärten den Vorschlag für „ungültig“, da er gegen das Selbstbestimmungsrecht der arabischen Mehrheitsbevölkerung verstoße. Die zionistische Führung haben zwar auf einen größeren Teil Palästinas gehofft, waren aber trotzdem einverstanden, es kam schließlich zum Bürgerkrieg, in welchem sich Isreal mithilfe westlicher Mächte immer größere Teile Palästinas aneignete.

Quelle: https://www.palestineportal.org/learn-teach/israelpalestine-the-basics/maps/maps-loss-of-land/

Wie in der Abbildung zu sehen ist, war nach der aggressiven Ausbreitung, die im Zuge des UN-Teilungsplans erfolgte, nur noch ein Bruchteil Palästinas übrig. Bis 2005 ist es kaum noch nachvollziehbar, dass die Palästinenser einst ein eigenes Land hatten. Das zionistische Vorhaben, das 1947 begann, wird weiterhin mit großer Geschwindigkeit umgesetzt und zerstört dabei jegliches Leben in Palästina. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, zeigt sich, dass die Auslöschung der Palästinenser schon mehr als 70 Jahre vor dem 7. Oktober begonnen hat. Dieser sollte daher als Strohmännchen keinerlei argumentative Bedeutung haben. Abgesehen davon ist es generell fragwürdig, die ethnische Säuberung eines gesamten Volkes – auf die wir im nächsten Kapitel näher eingehen werden – als Reaktion auf einen Angriff zu rechtfertigen.

Die aktuelle Lage in Gaza

Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, hier einen Anfang zu finden, da es jeden Tag Berichte sowie Bilder von Greueltaten gibt, die man hier detailliert aufschlüsseln und analysieren könnte. Deshalb habe ich mich entschieden, diesen abschreckenden Abschnitt mit einem Zitat von Dr. Omer Bartov, einem Holocaust-Forscher an der Brown University in den USA, aus der New York Times zu beginnen: „I’m a Genocide Scholar. I Know It When I See It.“ [1]

Nicht nur Dr. Bartov, der übrigens selbst lange Zeit in Israel gelebt und sogar im israelischen Militär gedient hat, kommt zu dieser Schlussfolgerung, sondern auch jede andere internationale Menschenrechtsorganisation, egal ob Human Rights Watch, Amnesty International, AWO, Unicef und sogar die Vereinten Nationen (UN).

Bereits 2014 wurde in einer außerordentlichen Sitzung des Russell-Tribunals zu Palästina [2] festgestellt, dass die vom israelischen Militär angewandte Gewalt in keinem Fall gerechtfertigt werden kann und in jedem Fall gegen internationales Recht verstößt. Zum einen kann das Argument der Selbstverteidigung im Falle Israels nicht gelten, da eine Besatzungsmacht sich per Definition nicht gegen das Volk, das sie besetzt, verteidigen kann. Dazu heißt es: „Israel reagierte mit der Gazainvasion nicht auf einen bewaffneten Angriff der Streitkräfte eines anderen Staates. Es handelte vielmehr als eine Besatzungsmacht, die Gewalt anwendet, um ihre Kontrolle über das besetzte Territorium und ihre Herrschaft über die besetzte Bevölkerung aufrechtzuerhalten.“ Zum anderen ist es unabhängig davon absolut klar, dass Israel keinen Konflikt mit der Hamas führt, bei dem militärische Ziele angegriffen werden, sondern einen Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung inklusive ethnischer Säuberungen betreibt. Dies zeigt sich besonders, aber nicht ausschließlich, in folgenden Akten der Gewalt:

  • Verheerende Angriffe (auch Artilleriebeschuss) dicht besiedelter Gebiete in Gaza, mit dem vollen Bewusstsein, dass dadurch Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen und vernichtet wird.
  • Vorsätzliche Anwendung von Gewalt (Bombardements, …) an Orten der Religionsausübung jeglicher Religionen.
  • Das vorsätzliche Angreifen von Krankenhäusern. Zitat aus dem Bericht: „einschließlich des direkten Beschusses von Krankenhäusern, was zur Tötung und erzwungenen Verlegung verwundeter Zivilisten führte, sowie erkennbarer Muster des Angriffs auf deutlich gekennzeichnete Sanitätseinheiten und Ambulanzmitarbeiter in Ausübung ihrer Pflicht.“
  • Das Ausnutzen der Anwesenheit von Zivilisten, um Kampfhandlungen von gewissen Orten zu verdecken d.h. Zivilisten als Schutzschilde benutzen.
  • Die Verwendung von Waffen, welche übermäßigen und nicht verhältnismäßigen Schaden anrichten.
  • Und natürlich das vorsätzliche angreifen von Zivilisten mit all den genanten Mitteln

All diese Mittel und Aussagen wurden bereits vor über 10 Jahren aufgedeckt und an verschiedene Staaten sowie die UN weitergeleitet, doch heute ist die Lage noch schlimmer geworden. Diese Maßnahmen werden weiterhin in noch größerem Ausmaß angewendet. Die Palästinenser werden in immer kleiner werdende Lager vertrieben. Etwa 90 % des Gazastreifens ist nicht mehr bewohnbar. Israel verursacht durch Blockaden eine Hungersnot, die als Waffe genutzt wird und täglich 28 Kinder tötet – insgesamt über 17.000 in den letzten 21 Monaten – sowie rund 33.000 Verletzte (wobei diese Zahlen höchstwahrscheinlich weit unter dem tatsächlichen Wert inklusive Dunkelziffer liegen). [3] Die gezielte Tötung von Journalisten in einem Ausmaß, das seit 1992 nicht überschritten wurde. [4] Ein Vorhaben, die Trümmer Gazas in ein Konzentrationslager umzuwandeln, in dem die noch lebenden Palästinenser zusammengepfercht werden sollen. [5] Isrealische Scharfschützen die gezielt Kinder ins Visier nehmen [11].

Ich könnte Seite um Seite so weiterschreiben, doch ich denke, es ist inzwischen deutlich, dass dies kein „Krieg“ zwischen zwei gleichstarken Parteien ist, geschweige denn eine Verteidigung einer Nation gegen einen Angriff, sondern ein fortschreitendes und beinahe vollendetes Vernichtungsvorhaben einer westlichen kolonialen Atommacht gegen ein ganzes Volk im Zuge des Deckmantels der Selbstverteidung.

Die kriegerischen Handlungen Israels sind eindeutig als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen und stellen einen Angriff auf das Leben an sich dar. Mit allen Mitteln, wie sie einer westlichen Großmacht zur Verfügung stehen, wird versucht, die palästinensische Bevölkerung auszulöschen und die noch nicht eingenommenen Gebiete Gazas und Palästinas zu annektieren. Diese Meinung teile nicht nur ich und fast alle Genozidforschenden weltweit, sondern auch große Teile der israelischen Regierung selbst, früher noch hinter verschlossenen Türen, heute vor laufenden Kameras. Sätze wie „Wir kämpfen gegen Tiermenschen und handeln entsprechend.“ [6] sind im rechtsextremistischen israelischen Politikdiskurs nichts Neues, und die Einordnung von Aussagen wie dieser als „Die Sprache des Völkermords“ finde ich durchaus passend. Dies ist ein weiterer Schritt Richtung Faschismus – und niemand unternimmt Anstrengungen, diesen Kurs zu ändern.

Und selbst wenn nach all dem, was ich niedergeschrieben habe, immer noch Menschen daran festhalten, dass Israel sich gegen die Hamas verteidigen muss und die Zehntausenden Kinder und Frauen auch alle dazu gehören, kämpft Israel gegen den Schatten, den es selbst wirft. Ohne das schwerst rassistische Apartheids- und Besetzungssystem Israels würde es keine oder nur eine weitaus geringere Widerstandsbewegung geben.

Gewalt erzeugt Gegengewalt, und das seit Beginn der Nakba vor über 75 Jahren, nicht erst seit dem 7. Oktober 2023.

Im Westen nichts neues

Wie Bereits im ersten Abschnitt erwähnt wurde nach dem zweiten Weltkrieg und den gräueltaten Deutschlands der internationale Strafgerichtshof wie wir ihn heute kennen, mit dem Vorhaben Genozide vorzubeugen oder wenn nötig zu verurteieln, gegründet. Warum also stellt sich die deutsche Regierung geschlossen hinter Isreal, obwohl genau dieser – wegen uns gegründete – Gerichtshof die Aktionen Isreals als Illegal annerkennt und das Staatsoberhaupt Isreals sogar mit einem Internationalen Verhaftungsbefehl versehen hat.

Es wird von der Freilassung der rund 1200 Geiseln der Hamas gesprochen und unter welchem Terror die Familien dieser Geiseln leiden. Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: Zivilisten als Geiseln zu nehmen, entspricht in keinem Fall und von keiner Seite meiner Auffassung von internationalem Recht. Dennoch wirkt es leicht heuchlerisch, wenn diese Geiseln als Begründung für die Auslöschung palästinensischen Lebens herangezogen werden, während gleichzeitig über 9000 Geiseln in israelischen Lagern und Gefängnissen sitzen. [7] Außerdem hat Israel bisher keine ernsthaften Bemühungen unternommen, die Gefangenen der Hamas freizubekommen. Ganz im Gegenteil: Während sich weite Teile der Hamas auf einen Waffenstillstand und eine vollständige Freilassung ALLER Gefangenen beider Seiten einigen würden und dies sogar fordern, sprechen hohe Verantwortliche in der israelischen Regierung davon, dass es „jetzt klar sei, dass alle Bewohner Gazas vernichtet werden müssen“ – ohne Waffenstillstand und ohne Frieden. Israel möchte keinen Frieden und keine Geiseln zurück, sie wollen die vollständige Auslöschung der Palästinenser.

In der Regierungserklärung der BRD [8] wird außerdem klargemacht, dass die deutsche Regierung strikt hinter dem Verteidigungsrecht Israels steht und dies weiterhin „Staatsräson“ bleibt. Hierzu möchte ich, unabhängig von meiner Verurteilung der ethnonationalistischen Expansionsvorhaben Israels, einige Punkte kritisieren:
Einerseits finde ich es höchst interessant, dass immer wieder vom „Existenzrecht“ Israels gesprochen wird. Das Recht eines Staates auf Existenz gibt es nicht; wenn die Menschen eines Staates nicht mehr wollen, dass dieser existiert, dann ist das so. Im internationalen Recht ist darüber nichts niedergeschrieben. Was jedoch im erwähnten Recht verankert ist, ist das Existenzrecht von Menschen, welches Israel hier eindeutig angreift.
Außerdem, um auf den Punkt der Selbstverteidigung einzugehen, der wenigstens im internationalen Recht verankert ist, wird bereits deutlich, dass es hier nicht um einen Krieg zwischen zwei gleich starken Parteien geht, sondern um den Angriff einer hochmilitarisierten westlichen Besatzungsmacht gegen eine weitaus schwächere Bevölkerung. Wie genau soll sich diese Besatzungsmacht verteidigen und gegen wen? Und würde nach dieser Logik das Selbstverteidigungsrecht auch für die Hamas nach 75 Jahren Nakba gelten?

Wie auch immer wird man nicht schlau aus den Rauchkerzen welche die deutsche Regierung hier versucht zu schüren, es stellt sich nur wiedereinmal die Frage warum? Wenn 80 Prozent der deutschen Bevölkerung das israelische Vorgehen nicht biligt [9] und es immer weiter wachsenen Druck der internationel Gemeindschaft auf Isreals gibt – unteranderem Frankreich und Großbritanien – warum steht Deutschland so geschlossen hinter Isreal?

Die Antwort auf diese Frage ist wenig überraschend: Kapitalismus. Je schwerwiegender die Krisen sind, die durch den Kapitalismus verursacht werden, desto intensiver und skrupelloser werden die imperialistischen Bestrebungen, die Welt nach eigenen Interessen neu zu ordnen. Das Säbelrasseln nimmt weltweit zu – in der Ukraine, Nordafrika und Westasien. Für die westlichen bürgerlichen Mächte ist Israel als Partner in Westasien unverzichtbar, um jede antiimperialistische Bewegung in der Region zu unterdrücken. Dabei geht es nicht um Recht oder Unrecht, nicht um Moral oder Ethik, sondern um Geld, Kapitalakkumulation und Machtsicherung in Westasien – einschließlich der Absatz- und Exportmärkte sowie der dortigen Rohstoffquellen. Es geht um strategische, wirtschaftliche und militärische Stärke in der Region: Es existieren Pläne für neue Handelswege in und aus der Region, die auch andere Teile Asiens einbeziehen. Von großer Bedeutung ist, dass der Westen die Kontrolle über den Zugang zum Mittelmeer in Palästina behält – dies wird mit militärischer Unterdrückung und der Vernichtung der palästinensischen Bevölkerung durchgesetzt.

https://www.mena-researchcenter.org/de/neue-handelswege-fuer-eine-multipolare-weltordnung/

Unsere Verantwortung

Der Kampf für die Befreiung der Palästinser liegt in unserer Verantwortung und der Kampf für eben diese Befreiung heißt der kampf für ein sozialistisches Deutschland. Solang die Machthaber im bürgerlichen Deutschland im Imperialistischen Kapitalinteresse der herrschenden Klasse Deutschlands handelt, wird es auch weiter kriege und Leid durch Deutsche Waffen und Soldaten geben. Solange Profit über Menschenleben steht, wird dieser auch immer auf Kosten dieser Leben gemacht. Solange wir nicht im Interesse der Menschen sondern im Interesse des Kapitals handeln wird es keine Befreiung für niemanden auf diesem Planeten geben.

[1] https://www.nytimes.com/2025/07/15/opinion/israel-gaza-holocaust-genocide-palestinians.html
[2] https://senderfreiespalaestina.de/pdfs/russell_tribunal_zu_gaza_2014.pdf
[3] https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/-/gaza-news-wasserversorgung/350376
[4] https://cpj.org/2023/10/journalist-casualties-in-the-israel-gaza-conflict/
[5] https://www.theguardian.com/world/2025/jul/13/israel-humanitarian-city-rafah-gaza-camp-ehud-olmert
[6] https://senderfreiespalaestina.de/pdfs/die-sprache-des-voelkermords-c.pdf
[7] https://www.amnesty.de/aktuell/israel-besetzte-palestinensische-gebiete-gefangene-interview-sahar-francis-addameer
[8] https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/unterstuetzung-israel-2228198
[9] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/politbarometer-reaktionen-auf-verschaerfte-grenzkontrollen-100.html
[10] https://www.mena-researchcenter.org/de/neue-handelswege-fuer-eine-multipolare-weltordnung/
[11] https://www.theguardian.com/world/2024/apr/02/gaza-palestinian-children-killed-idf-israel-war

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